Die Schöpfung lügt

“Die Schöpfung lügt.” Mit diesen drei gnadenlosen Worten beginnt der Literaturwissenschaftler Peter von Matt sein Buch über “Die Intrige”, das Theorie und Praxis der Hinterlist vorführt. “Der Kosmos des Lebendigen”, so von Matt weiter, “ist ein unabsehbarer Zusammenhang von Lüge, Täuschung, Tücke und todbringender Hinterlist” und “praktizierter Falschheit in allen denkbaren Variationen.” Warum soll man sich unter diesen Vorgaben noch über postfaktisch palavernde Politiker aufregen oder von der Zeitungen etwas anderes erwarten, als eine Lügenpresse zu sein. Wenn die Schöpfung lügt, tun dies die Menschen auch, und wer Erfolg haben will, muss sich damit arrangieren, gerade in den Medien.

Vielleicht besteht ein Weg darin, sich einfach den unentwegt einströmenden Informationen und Nachrichten zu verweigern. Als Vorbild kann ausgerechnet Stalin dienen, der 1946 – also vor 70 Jahren –
von dem amerikanischen Diplomaten George Kennan beobachtet wurde. Kennan fiel nicht nur auf, dass Stalin akkuraten Informationen feindlich begegnete, ihm schien überhaupt niemand in dem großen Land Interesse an unvoreingenommenen Meldungen zu haben. Stalin und seine ihn umgebenden Mitarbeiter hielten sich so weit wie möglich von einem “objektiven Bild der äußeren Welt fern”, wie Kennan seinem Präsidenten damals schrieb. Ob der diese Einschätzung gelesen und als Tatsache beachtet hat?

Es lohnt sich sicher, der Schöpfung mehr zu vertrauen als politischen oder anderen Planern. Bei ihr kann man nicht zuletzt lernen, dass Lügen erfolgreich macht. Ist das jetzt ein Faktum des Lebens oder eine List des Kosmos? Vielleicht klärt sich die Frage im kommenden Jahr. Alles Gute für 2017.


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