Tausend

Mehr als 1000 – in Worten: eintausend – Physiker dürfen sich in diesem Jahr den Breakthrough Preis teilen, der von Leuten vergeben wird, die das Internet reich gemacht hat, zum Beispiel  dem Amerikaner Marc Zuckerberg von Facebook und dem Russen Yuri Milner, der allgemein der Ansicht ist, dass Wissenschaftler mehr Anerkennung und Brimborium verdienen und deshalb auch mal 3 Millionen Dollar Preisgeld kassieren dürfen. Um diese Summe geht es bei dem Breakthrough Preis, der finanziell damit  locker  den ehrwürdigen Nobelpreis übertrifft, der Mühe hat, an die Millionengrenze zu kommen. Die Breakthrough Preis Stifter möchten natürlich mit dem hohen Preisgeld mehr Aufmerksamkeit als der Nobelpreis auf sich ziehen, was aber bislang nicht gelungen ist, unter anderem, weil kein König zur Verfügung steht, der die Preise überreicht, und weil die Tage vor Weihnachten vergeben sind. Da schaut die Welt nach Stockholm.

Doch jetzt haben die Breakthrough Stifter eine Idee gehabt. Während sie sich bislang wie das Nobel-Komitee auf einzelne Wissenschaftler konzentrierten – in Schweden werden maximal drei Personen für ein Fach ausgezeichnet -, ist es Yuri Milner aufgefallen, dass die Forschung heute von riesigen Teams durchgeführt wird. Also bekommt ein Team aus 1377 Physikern oder anderen Experten den Breakthrough Preis, das sich um ein Verständnis von Neutrinos bemüht und die sogenannten “Neutrino Oszillation Experimente” durchgeführt hat. Das heißt, in den meisten Fällen haben einzelne Könner die 3 Millionen Dollar bekommen – etwa der Optogenetiker Karl Deisseroth aus Boston und der evolutionäre Anthropologe Svante Pääbo aus Leipzig, aber  jetzt bekommen eben mehr als 1000 Leute den Preis auf einen Schlag. Damit überholt der Breakthrough Preis tatsächlich sein schwedisches Vorbild. Mit einem Mal gibt es mehr Breakthrough Preisträger als Nobellaureaten. Die Nobel Stiftung hat in mehr als 110 Jahren nicht geschafft, was Milner und andere Internetmilliardäre im Handumdrehen erledigen, nämlich Preise massenhaft zu vergeben  und die Grenze von  1000 zu sprengen.  Die Frage lautet nur, ob die Ausgezeichneten der Öffentlichkeit etwas zu sagen haben. Schon die Nobelpreisträger aus jüngster Zeit haben wenig von Bedeutung zu sagen, weshalb sie auch niemand kennt.  Die Gewinner der Breakthrough Preise brauchen nichts mehr zu sagen. Sie  bleiben von nun an unter sich. Ob das die Absicht der Stifter war?


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