Warning: include(__DIR__/api.php): failed to open stream: No such file or directory in D:\www\www1047\epf\wp-content\plugins\wp-retina-2x\core.php on line 17 Warning: include(): Failed opening '__DIR__/api.php' for inclusion (include_path='.;C:\Program Files (x86)\PHP\v5.2\pear;C:\Program Files (x86)\PHP\v5.2\ZendFramework\library') in D:\www\www1047\epf\wp-content\plugins\wp-retina-2x\core.php on line 17 “Kritik der Zukunft” | Ernst Peter Fischer

“Kritik der Zukunft”

In dem berühmten Jahr 1968 hat der berühmte Hans Magnus Enzensberger eines seiner berühmten Kursbücher mit dem Titel herausgegeben “Kritik der Zukunft”. So waren sie damals, die Rebellen, sie wollten nicht nur die repressive Gegenwart kritisieren, sondern die Zukunft gleich mit, auch wenn die noch gar nicht da war.

Dass das Heft mit einer “Kritik der Futurologie” begann, lässt einen heute lachen, war aber damals ganz ernst gemeint. Das Heft schließt mit einem Gespräch über die Zukunft, das den Beteiligten heute vor allem durch den hohen Alkoholpegel der Teilnehmer in Erinnerung ist. Mitten in ihrem Kursbuch veranstaltete die Redaktion höchst bürgerlich und spießig ein Preisausschreiben, bei dem es 1000 DM für den zu gewinnen gab, der den “besten Gedanken für die Zukunft” formulieren kann, wobei die Redaktion sicher war, dass nur Männer mit Hochschuldbildung etwas einsandten. Gewonnen hat ein Aufsatz mit dem Titel “Vom elastischen Familienverband zur Kommune”, in dem der Autor Géza Kirchknopf meinte, “die herkömmliche Familie ist wegen ihres feudalen Charakters immer weniger in der Lage, den Erfordernissen der technischen Revolution und der gesellschaftlichen Evolution gerecht zu werden.”

Der heutige Leser kann wieder nur über die Selbstgewissheit der Linken staunen. Kirchknopf hatte aber etwas Konkretes im Sinne, denn er schlug weiter vor, den Hausfrauen zu ermöglichen, ihre Produktivkräfte zu entfalten, wie es damals gerne hieß, was zur Folge haben würde, “dass zwischen den einzelnen Familien … sexuelle Querverbindungen entstehen”, Und schon tauchten sie wieder auf, die sexuellen Wunschträume der beduselten Revolutionsromantiker, die damals alle Wilhelm Reichs Philosophie des Orgasmus verinnerlicht hatten und jetzt voller Hemmungen den Alltag über sich ergehen lassen mussten. Das Bedürfnis nach dem kraftvoll-vitalen Leben mit Liebe und Klassenkampf, es endete nach den theoretischen Debatten auf der Couch vor dem Fernseher, in dem die Sportschau zu sehen war. Noch ohne Werbung und mit dem wichtigen Spiel am Anfang. Daran gab es wenigstens nichts zu kritisieren.

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