Wie Spiegel Online in diesen Tagen in eigener Sache meldet, wird die erst kürzlich aus England kommende und für den deutschen Markt etwas veränderte Zeitschrift NEW SCIENTIST eingestellt. In Großbritannien floriert NEW SCIÈNTIST seit den 1950er Jahren, genauer seit dem Sputnik-Schock, als der Westen erkennen musste, dass im Osten auch originelle Köpfe leben, die nicht nur kopieren, sondern auch kreativ sein können. In den späten 1950er Jahren nahm man den Kalten Krieg noch ernst, und so wollte man in England die Briten über die naturwissenschaftliche Bildung aufrüsten, was dort – den Auflagenzahlen zufolge – gelungen ist. In Deutschland war man damals und ist man heute der Meinung, dass die Naturwissenschaften wenig mit Kultur und kaum etwas mit Bildung zu tun haben, und so macht es zwar traurig, dass der Versuch, NEW SCIENTIST in Deutschland anzubieten, misslungen ist, aber zu wundern braucht man sich über den Fehlschlag nicht. Die deutschen Dichter und Denker – Soziologen und Philosophen – haben weniger die Wissenschaft und mehr das Ethische im Sinn. Sie interessiert es einen Dreck, dass es einen Unterschied zwischen einem Atomkern und einem Reaktorkern gibt, sie halten beide für schmelzbar und denken, dass man beide so wenig manipulieren sollte wie einen Zellkern. Das frühe Ende von New Scientist zeigt, dass etwas faul im Kopf der Deutschen ist, nämlich die Stelle, an der die Wissenschaft ihren Platz haben sollte. Bei Erich Kästner gibt es ein Gedicht, da wird über eine Frau gesagt, dass sie dort ein Loch hat, wo andere moralisch sind. Für die deutschen Dichter und Denker gilt das auch. Sie haben dort ein Loch, wo andere beginnen, sich moralisch zu bemühen – die englischen Macher und Leser von New Scientist zum Beispiel.