Heute gibt es ein paar Mysteries, von denen die Journale berichten, wobei die geheimnisvolle Kraft durch die mysteriöse Dunkelenergie nur am Rande erwähnt wird, da die Literatur zum Urknall und den dabei entstehenden Galaxien mit diesem Begriff durchsetzt ist und selbst dann noch von einem Geheimnis spricht, wenn sie es scheinbar geklärt hat wie das der „missing galaxy mass“, die man jetzt gefunden hat (Nature 506, S. 274/5, Ausgabe vom 20.02.14). Da wechselt der Berichterstatter beliebig rasch vom „mystery“ zum „puzzle“, und mir bleibt es unverständlich, wie man mit solch einer Laxheit in der Sprache Menschen anlocken will, die Sehnsucht nach der intellektuellen  Schärfe der Physik haben.

Das zweite Geheimnis kommt familiär daher, das heißt, in der Retrospektive, die der Genetikerin Janet Rowley (1925-2013) gewidmet ist, die als erste erkannt hat, das Veränderungen (Translokationen) in den menschlichen Chromosomen zu Krebs führen können – als Stichwort für Neugierige kann das Philadelphia Chromosom genannt werden. Janet Rowley hat im Laufe ihres erfolgreichen Lebens mehr als 60 Preise gewonnen, nur den einen nicht, also den Nobelpreis, und das nennt der Berichterstatter „a mystery to me“ (Science 343, S. 626, Ausgabe 07.02.14). In letzter Zeit kann man häufiger ein Rätselraten über die Stockholmer Praxis der Preisvergabe bemerken, was selbst verwunderlich ist. Seit den 1970er Jahren liegen die Vergabekriterien für die Nobelpreise offen, die fünfzig Jahre zurückliegen. Das klingt zwar weit weg, aber inzwischen sind Jahrzehnte vergangen und es müsste einem Soziologen oder Historiker der Naturwissenschaft gelungen sein, etwas Licht in das Dunkel der Schwedischen Beratungen über den Nobelpreis gebracht zu haben. Aber man findet nichts zu dem Thema. Vielleicht ist es mit dem Nobelpreis wie mit den Gesetzen. Hauptsache, man kann damit leben, und niemand will wirklich wissen, wie sie zustande kommen. Mit bleibt diese Zurückhaltung ein Geheimnis.

Das echte Geheimnis für diese Zeilen liefert die Genetik, weil es hier einige Vertreter gibt, die nicht mehr übersehen konnten, dass es Zellen von Säugetieren gibt, die nicht zwei Sätze an Chromosomen haben, wie es im Lehrbuch steht und dann diploid heißt. Diese Zellen sind polyploid, und das heißt, sie haben ein paar Sätze mehr von den Chromosomen (Science 343, S. 725, Ausgabe vom 14.02.14). Dabei entstehen zum Beispiel Cluster (Haufen) von Chromosomen, und die Frage stellt sich, welchen Vorteil die Zellen und das Leben davon haben. Traditionell denkt man, dass zu viele Informationen – etwa beim Downs Syndrom – Störungen mit sich bringen. Aber bekannt ist auch, dass Pflanzen, Insekten und Fische und andere Organismen polyploide Zellen haben und mit sehr viel mehr Chromosomen ausgestattet sind, was die Frage nach den Benefits interessanter macht. Es geht darum, zu verstehen, warum überhaupt irgendeine Zelle polyploid ist, und eine Antwort lautet, dass damit die Widerstandsfähigkeit der Zellen verbessert und ihre Leistungsfähigkeit unter schwierigen äußeren Bedingungen erhöht wird. Man tappt leider in einem tiefen Dunkel umher, ohne sich daran hindern zu lassen, nach Wegen zu suchen, diesen Zustand mit einer Sonderportion von Chromosomen nutzbringend etwa bei Krebstherapien einzusetzen. Vielleicht hilft dann ein Geheimnis, ein anderes in ein Rätsel zu verwandeln. Vielleicht auch nicht.