In der von Spektrum der Wissenschaft herausgebrachten DIE WOCHE ist in der Nr. 5/2014 auf Seite 34 ein Aufsatz über den sogenannten Mpemba-Effekt erschienen. Sein Name leitet sich von Erasto B. Mpemba ab, der 1963 als Schüler Speiseeis bereiten wollte und dabei merkte, dass Wasser schneller zu Eis wird , wenn man es heiß in das Gefrierfach eines Kühlschranks stellt. Warum gefriert das Heiße schneller als das Kalte? Das wollen Physiker wissen und erklären, und der erwähnte Beitrag arbeitet sich an vielen Vorschlägen ab, ohne eine Antwort zu finden, die alle Wünsche erfüllt. Es geht um die im Wasser aufgelöste Luft, um die Rolle der Konvektion – also den Strömungen innerhalb einer Flüssigkeit, es geht um Anomalien des Wassers und seinem Verhalten bei Unterkühlung und so manches mehr. Merkwürdigerweise gibt es – so das Resümee – bis zum heutigen Tag trotz vieler Versuche keine universell akzeptierte Erklärung des Mpemba-Effekts, wie es kurz vor Ende des Beitrags heißt, der aber nicht in dieser Enttäuschung endet. Denn ganz zuletzt erwähnt ein Wissenschaftler „die Magie des kleinen, einfache Wassermoleküls“, und ich empfehle, ihr zu erliegen. Wasser sieht zwar klar aus, steckt aber voller Geheimnisse, wie zum Beispiel in der Biographie des Wassers nachgelesen werden kann, die Philip Ball geschrieben hat (Piper Verlag, 1999). Wasser zaubert aus der Chemie das Leben hervor und schafft dabei die Biologie , und das Molekül selbst bleibt höchst rätselhaft. Alle Bindungen, an denen es beteiligt ist – die Wasserstoffbrücken -, kommen durch eines der seltsamsten Phänomene überhaupt zustanden, womit die „Zero-Point-Vibrations“ von Elektronen gemeint sind, die auch dann nicht aufhören, wenn das ganze Universum gefroren ist. Wasser zeigt magische Eigenschaften, die das rein Chemische locker transzendieren, und es lohnt sich, darüber zu sinnieren, wenn man es trinkt. Menschen – Lebewesen im Allgemeinen – verdanken ihre Existenz Quanteneffekten des Wassermoleküls, neben denen die Ideen von New Age Protagonisten alt aussehen. Es wäre schön, wenn das Geheimnisvolle des Wassers kein Geheimnis bliebe und Menschen zum Staunen bringt. Dann können sie singen, „Vom Wasser haben wir´s gelernt.“

Nebenbei – richtig spannend wird es mit dem Wasser, wenn es sich den genetischen Molekülen nähert und sie umfasst. Dann ändern sich nicht nur die Gene, sondern auch das Wasser selbst, das durch diese Verformungen handlungsbereiten Proteinen in der Zelle signalisiert, was für Gene dort zu finden sind. Wasser gibt dem Leben seinen Zauber und behält sein Geheimnis.