Feynmans Zeit

“Zeit ist das, was passiert, wenn nichts anderes passiert.” So hat der Physiker Richard Feynman einmal versucht, die fliehende Zeit zu fassen. Seine Lebenszeit begann am 11. Mai 1918, also vor einhundert Jahren, und um ihn ranken sich viele Legenden und über ihn erzählt man sich viele Geschichten. Er hat selbst einige von ihnen verbreitet, etwa in dem Buch “Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman”, und er war bei denen, die ihn persönlich kennenlernen konnten – wie der Autor dieser Zeilen – oder die ihm in Vorträgen zuhörten, berühmt für seine ungewöhnlich klare Sprache, die sowohl Englisch (Amerikanisch)  als auch Mathematisch sein konnte. Er hat viel Werbung für sich selbst betrieben, aber immer gewusst, “for a successful technology reality must take precedence over public relation, for Nature cannot be fooled.”

Sein großer Beitrag zur Physik ist unter dem Kürzel QED bekannt, was die Theorie der Quantenelektrodynamik abkürzt, der er geholfen hat, mit auf die Beine zu stellen, und wer sich darüber informieren will, sollte Feynmans Buch mit genau diesem Titel lesen – “QED” eben. Es geht um die Wechselwirkungen von Licht und Materie, und die Menschen haben keine Beschreibung der physikalischen Natur zustande gebracht, die genauer mit den durch Messung zu ermittelnden Fakten übereinstimmt.

Was Feynman weit über seine Schüler hinaus in der globalen Gemeinde der Physiker bekannt gemacht hat, sind die in den 1960er Jahren erschienenen “Feynman Lectures on Physics”, die von ihren lesenden Verehrern wie Bibelverse zitiert werden, also etwa Feynman, Buch 3, Kapitel 12, Vers 26. Vor allem berühmt geworden ist seine Darstellung der merkwürdigen Doppelnatur der Quanten, die sowohl Welle als auch Teilchen sein können. Es geht um Buch 1, Kapitel 37, wobei der Physiker David Mermin empfohlen hat, Feynman Staunen über die Wirklichkeit der Quanten in Versform und damit wie ein Gedicht zu präsentieren. Also:

 

“Es war immer schwierig,

die Sicht der Dinge zu verstehen,

die sich in der Quantentheorie zeigt.

Wenigstens für mich,

denn ich bin gerade so alt,

dass ich den Punkt noch nicht erreicht habe,

an dem für mich alles offensichtlich ist.

Ich werde immer noch nervös dabei.

Ihr wisst doch, wie das ist,

jede neue Idee

braucht eine Generation oder zwei,

bevor es offenbar wird,

dass eigentlich gar kein Problem vorliegt.

Ich kann das eigentliche Problem nicht definieren,

also vermute ich, dass es so ein Problem nicht gibt.

Doch ich bin nicht sicher,

dass es kein wirkliches Problem gibt.”

 

Richard Feynman ist 1988 gestorben, und er hat das Problem offen gelassen. Oder gibt es da gar nichts und jetzt amüsiert er sich aus himmlischen Höhen über die Menschen?


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