In diesen Tagen sind alle mit dem ersten Weltkrieg beschäftigt und den hundert Jahren, vor denen das große Gemetzel begann, dass viele Leistungen übersehen werden, die ebenfalls vor einhundert Jahren gelungen sind. Wissenschaftliches wird sowieso gerne übersehen, wenn die Massen feiern, aber das soll uns nicht daran hindern, dass bereits 1913 der aus Deutschland stammende Biochemiker Leonor Michaelis und die in Kanada geborene Medizinerin Maud Menten eine Gleichung für das gefunden haben, was in der Wissenschaft Enzymkinetik heißt. Die Michaelis-Menten-Gleichung funktioniert bis heute – sogar dann, wenn einzelne Moleküle betrachtet werden -, und darüber darf gejubelt werden und Freude aufkommen.  Enzyme sind die Zellbausteine, die die chemischer Reaktionen zuständig sind, die zum Leben gehören und es ermöglichen, wobei ein Enzym ein vorhandenes Substrat schnappt und es in ein benötigtes Produkt umwandelt, ohne selbst verändert zu werden. Mit der Michaelis-Menten-Gleichung ist nicht in alles Details verstanden, wie die enzymatischen Reaktionen ablaufen, die das Leben aufrecht erhalten. Und die Biochemiker werden in den kommenden 100 Jahren so viel zu tun haben wie in den vergangenen. Aber es ist doch schön zu wissen, dass vor dem ersten Weltkrieg Berlin attraktiv und offen genug war, um eine kanadische Studentin, die in ihrer Heimat nicht forschen durfte, anzulocken, die dann mit dem jüdischen Biochemiker Michaelis zusammen eine Jahrhunderteinsicht zustande brachte. Leider wollen viele gar nicht wissen, was in ihren Zellen los ist und wie sie ihnen ihr Leben verdanken. Sie wollen eher wissen, wie Menschen im Krieg ihr Leben verlieren. Schade. Leonor Michaelis und Maud Menten haben die schöneren Geschichten zu erzählen. Gerade solche, die bleiben. Vielleicht hört man mehr von ihnen in 100 Jahren.