Gedankenlosigkeit regt mich auf, und zwar vor allem dann, wenn es nur um Gedanken geht. Wenn ein Schriftsteller – Viktor Jerofejew – seine Gedanken über eine Reise in den Iran aufschreibt und mit dem Hinweis beginnt, „In jedem Perser steckt ein Stückchen Kyros und Dareios, die Erinnerung an das Imperium sitzt in den Genen“, dann ist das zwar dichterische Freiheit, bleibt aber modischer Schnickschnack, mit dem ich nichts anfangen kann. So ein Satz besagt nichts, gar nichts.
Und dasselbe gilt, wenn Doktor Richard Goeffroy sein Bemühen um guten Champagner mit der genetischen Verbundenheit zu seinem mönchischen Vorgänger Dom Pérignon erklärt, in dem er sagt: „Das steckt wohl in der DNA.“
Warum schieben die Redaktionen solch einem Stuss keinen Riegel vor? Halten sie das genetische Geschwätz für souveränes Feuilleton? Sollen wir Leser an die Macht der Gene und das große Wissen der Autoren glauben? Was meine Gene hervorgebracht haben,wehrt sich dagegen.

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