„Quellen, Ströme, Eisberge“ – so lautet der Titel eines Bandes in der Bibliothek Suhrkamp  (Nr. 1469), in dem fleißige Archivare Texte aus Nachlass von Hans Blumenberg zusammengestellt haben, der zeit seines Lebens Professor für Philosophie war. Das heißt, vielleicht lebt Blumenberg noch, denn bei den Lebensdaten ist nur das Geburtsjahr genannt und das Todesjahr vergessen worden. Das heißt, vielleicht will man Blumenberg unsterblich machen, und einige seiner Texte aus Lebzeiten – etwa Schiffbruch mit Zuschauer oder die Vollzähligkeit der Sterne – legen den Gedanken nahe, damit einverstanden zu sein. Ich bin stets auf der Suche nach philosophischen Einverleibungen naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, vor allem, wenn daraus volkstümliche  Metaphern wie die von der Spitze des Eisbergs werden, und bei Blumenberg konnte man zuverlässig fündig werden. Doch nun kommt da ein Nachlass heraus, und in dem steht folgender Satz (auf den Seiten 154/5):

 

„Nimmt man etwa die Entropie der Natur als das Äquivalent jenes freien Falls der Atome im unendlichen Raum, die mit jedem Quantum an Fallbewegung, das sie zurücklegen, auch von ihrer Wahrscheinlichkeit einbüßen, jemals Welten durch Wirbel zu erzeugen, so ist der Organismus und ist auch das Bewußtsein als Organ des Organismus so etwas wie ein Aufenthalt im Fallstrom der Entropie, ihre scheinbare Durchbrechung mittels eines offenen Teilsystems, das auf Kosten des ihnen umgebenden Systems die Tendenz des Ganzen umkehrt.“

 

Ach, würde Loriot zu diesem Unsinn sagen, der mit naturwissenschaftlichen Kenntnissen protzt, die weder vorhanden noch sinnvoll zu fassen sind. Wem wollen die Archivare damit imponieren? Wer schützt einen Leser und den Philosophen vor diesen Wortverbrechen ohne Inhalt ?  Die Nachlassverwalter sollten sich schämen, diesen Blumenberg ungeschützt an die Öffentlichkeit zu lassen. Sie sollten als Strafe erklären müssen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich Atome im unendlichen Raum im Strom der Entropie von einem Gedanken einfangen lassen. Aber diese Frage ist ihnen sicherlich zu simpel.